Neue Patrone eingesetzt, alles eingerastet, Drucker neu gestartet – und dann druckt er trotzdem nicht. Oder er druckt, aber der Ausdruck ist blass, streifig, stellenweise gar nicht vorhanden. Die Tintenanzeige zeigt voll an. Was soll das?
Das ist eine Situation, die viele kennen und die auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt. Die Patrone ist neu, sie ist drin, der Drucker erkennt sie – und trotzdem kein brauchbarer Ausdruck.
Warum „voll“ nicht immer bedeutet was man denkt
Das Erste was man verstehen muss: Die Füllstandsanzeige am Drucker – egal ob am Display oder in der Software – ist eine Schätzung, keine Messung. Der Drucker zählt mit wie viele Druckvorgänge seit dem Einsetzen der Patrone gemacht wurden, und rechnet daraus einen ungefähren Verbrauch hoch.
Bei einer neuen Patrone zeigt er also zuverlässig „voll“ an – auch wenn die Patrone aus irgendeinem Grund tatsächlich kein Tinte abgibt. Das kann an der Patrone selbst liegen, an einem verstopften Druckkopf, oder daran dass die Tinte noch nicht richtig geflossen ist.
Der Druckkopf als häufiger Auslöser
Bei Tintenstrahldruckern sitzt der Druckkopf entweder in der Patrone selbst oder fest im Drucker eingebaut – das hängt vom Modell ab. In beiden Fällen kann er verstopft sein, besonders wenn der Drucker längere Zeit nicht benutzt wurde.
Eingetrocknete Tinte blockiert die winzigen Düsen und verhindert, dass neue Tinte durchkommt. Das Ergebnis: Der Drucker „druckt“ technisch gesehen, aber auf dem Papier kommt kaum oder gar nichts an.
Die meisten Drucker haben dafür eine eingebaute Reinigungsfunktion. Die findet sich in der Druckersoftware – meist unter „Wartung“, „Extras“ oder ähnlichem. Eine oder zwei Reinigungszyklen können ausreichen, um verstopfte Düsen wieder freizubekommen. Mehr dazu erklärt der Artikel zum Druckkopf reinigen.
Wichtig: Nach dem Reinigen immer eine Testseite drucken. Erst daran sieht man ob die Reinigung etwas gebracht hat.
Wenn die neue Patrone das Problem ist
Es kommt vor – nicht häufig, aber es kommt vor – dass eine fabrikneue Patrone schlicht defekt ist. Luftblasen im Tintenbehälter, ein beschädigter Chip, ein Fertigungsfehler. In solchen Fällen zeigt der Drucker zwar „voll“ an, weil er die Patrone erkannt hat, aber die Tinte fließt nicht oder nicht gleichmäßig.
Ein einfacher Test: Die Patrone einmal herausnehmen, kurz warten, wieder einsetzen. Manchmal hilft das bereits. Wenn nicht, und wenn man eine zweite gleichartige Patrone zur Hand hat, lohnt sich ein Tausch zur Probe.
Bei kompatiblen Patronen von Drittanbietern ist das Risiko eines Defekts etwas höher als bei Originalpatronen – aber auch Originalpatronen haben gelegentlich Ausreißer.
Die Schutzfolie – ein Klassiker
Kurze Nebenbemerkung, weil es überraschend oft vorkommt: Viele Patronen haben eine Schutzfolie oder einen kleinen Klebestreifen über den Düsen oder dem Kontaktbereich, der vor dem Einsetzen abgezogen werden muss. Wenn der noch drauf ist, druckt die Patrone schlicht nicht – egal wie voll sie ist.
Klingt banal. Passiert trotzdem regelmäßig, besonders wenn man unter Zeitdruck eine neue Patrone einsetzt.
Wenn der Drucker die Patrone eigentlich nicht mag
Manche Drucker reagieren auf kompatible Patronen mit einer Warnmeldung, drucken dann aber trotzdem – wenn auch widerwillig. Andere verweigern den Dienst komplett oder drosseln die Druckqualität, sobald sie erkennen dass keine Originalpatrone eingesetzt ist.
Das ist keine Fehlfunktion im technischen Sinne, sondern eine Entscheidung des Herstellers. Was im Alltag wirklich funktioniert – Originalpatrone oder kompatible Alternative – ist ein eigenes Thema, dem der Artikel Originalpatrone oder kompatible Patrone nachgeht.
Was bleibt wenn alles andere ausgeschlossen ist
Wenn die Patrone neu und unversehrt ist, der Druckkopf gereinigt wurde, die Testseite aber immer noch streifig oder leer bleibt – dann ist der Druckkopf möglicherweise dauerhaft beschädigt. Das passiert nach sehr langer Nichtbenutzung oder nach mehreren aggressiven Reinigungszyklen, die die Düsen strapazieren.
In diesem Fall ist der nächste Schritt eine manuelle Reinigung oder – wenn der Druckkopf fest verbaut ist – ein Servicetermin. Das ist selten nötig, aber es kommt vor.
Die gute Nachricht: Bis es so weit ist, gibt es meistens mehrere Zwischenschritte die das Problem lösen. Ein verstopfter Druckkopf der rechtzeitig gereinigt wird, macht in aller Regel keine dauerhaften Probleme.
