Der Drucker stand seit Monaten unberührt in der Ecke. Jetzt braucht man ihn wieder – und fragt sich kurz bevor man auf Drucken klickt: Kann da eigentlich noch etwas schiefgehen?
Ja, kann es. Aber wer weiß was ihn erwartet, kann das meiste davon abfangen.
Was in einer langen Pause mit dem Drucker passiert
Tintenstrahldrucker sind die empfindlichere Gattung. Während ein Laserdrucker eine mehrmonatige Pause ohne nennenswerte Folgen übersteht, leidet ein Tintenstrahler merklich darunter.
Das liegt an der Tinte selbst. Tintenstrahltinte ist wasserbasiert und trocknet ein wenn sie sich nicht bewegt. In den feinen Düsen des Druckkopfs kann sich in wenigen Wochen eine Kruste bilden, die den Tintenfluss einschränkt oder ganz blockiert. Je länger die Pause, desto wahrscheinlicher und hartnäckiger ist diese Ablagerung.
Ein Drucker der drei oder vier Monate gestanden hat, ist nicht automatisch kaputt. Aber er braucht einen behutsameren ersten Start als ein Gerät das regelmäßig genutzt wurde.
Schritt eins: nicht sofort ein wichtiges Dokument drucken
Das ist der wichtigste praktische Hinweis: Den ersten Druckversuch nach langer Pause nie mit einem Dokument machen das man wirklich braucht. Eine schlechte Testseite ist kein Drama. Eine schlecht gedruckte Bewerbung oder ein wichtiger Vertrag schon eher.
Einen einfachen Testdruck als erstes – entweder direkt vom Drucker aus oder ein beliebiges Textdokument vom Computer. Das zeigt sofort ob die Druckqualität noch in Ordnung ist oder ob Reinigungsarbeit ansteht.
Druckkopf reinigen – aber mit Geduld
Wenn der erste Ausdruck streifig ist, Lücken hat oder einzelne Farben fehlen, ist das ein klares Zeichen für verstopfte Düsen. Der nächste Schritt ist die Druckkopfreinigung über die Druckersoftware – die findet sich meist unter „Wartung“ oder „Extras“ in den Druckereigenschaften.
Wichtig: Nach jedem Reinigungszyklus eine Testseite oder ein Düsenmuster drucken und schauen ob sich etwas verbessert hat. Nicht einfach drei oder vier Zyklen hintereinander starten – das verbraucht viel Tinte und belastet die Düsen unnötig.
Manchmal braucht es ein bis zwei Reinigungszyklen, manchmal mehr. Bei sehr langer Nichtbenutzung kann es sein, dass die automatische Reinigung allein nicht ausreicht und eine manuelle Reinigung des Druckkopfs nötig wird. Die genaue Vorgehensweise erklärt der Artikel zum Druckkopf reinigen.
Tinte prüfen bevor man reinigt
Bevor man mit dem Reinigen anfängt, lohnt sich ein Blick auf den Tintenstand. Wenn die Patronen nach der langen Pause fast leer sind – was vorkommen kann, weil auch im Standby gelegentlich kleine Mengen Tinte für interne Wartungsroutinen verwendet werden – sollte man erst neue Patronen einsetzen. Eine Reinigung mit fast leeren Patronen ist ineffizient und kann die Düsen nicht richtig durchspülen.
WLAN-Verbindung und Treiber
Wer seinen Drucker per WLAN betreibt, sollte davon ausgehen, dass die gespeicherte Netzwerkverbindung möglicherweise nicht mehr stimmt – besonders wenn der Router zwischenzeitlich neu gestartet wurde oder neue Geräte hinzugekommen sind. Den Drucker nach dem Einschalten kurz die Verbindung neu aufbauen lassen, bevor man einen Druckauftrag sendet.
Auch auf der Computer-Seite kann sich in der Zwischenzeit etwas verändert haben: Windows-Updates, neue Treiberversionen oder eine veränderte Netzwerkkonfiguration. Falls der Drucker nach der Pause nicht mehr erkannt wird, hilft ein kurzer Check der Druckereinstellungen und gegebenenfalls eine Treiber-Neuinstallation.
Laserdrucker: weniger anfällig, aber nicht sorgenfrei
Laserdrucker überstehen lange Pausen deutlich besser als Tintenstrahler. Die Tonerkassette trocknet nicht ein, und die Mechanik ist weniger empfindlich gegenüber Stillstand.
Dennoch lohnt sich auch hier eine Testseite vor dem ersten wichtigen Druck. Nach sehr langer Pause – ein Jahr oder mehr – können Gummiteile wie Einzugsrollen etwas hart geworden sein und anfangs Probleme beim Papiereinzug verursachen. Das gibt sich meist nach den ersten paar Druckvorgängen von selbst.
Die ehrliche Zusammenfassung
Ein Drucker der lange gestanden hat ist meistens nicht kaputt – er braucht nur ein bisschen Anlaufzeit. Wer mit einer Testseite startet, bei Bedarf den Druckkopf reinigt und WLAN-Verbindung sowie Treiber kurz überprüft, ist in den meisten Fällen schnell wieder druckbereit.
Wer künftig häufiger mit Problemen nach langen Pausen kämpft, sollte überlegen alle zwei bis drei Wochen eine kurze Testseite zu drucken – auch wenn kein echter Bedarf besteht. Das hält die Düsen frei und die Verbindungen aktiv. Eine Minute Vorbeugung spart langfristig erheblich mehr Zeit.
